Das Wichtigste in Kürze
- Der Relaunch ist der günstigste Moment für Barrierefreiheit: Wer sie von Anfang an mitdenkt, vermeidet teure Nachrüstung , und barrierefreie Seiten erzielen im Schnitt 23 Prozent mehr organischen Traffic (Semrush).
- Die Ausgangslage ist schlecht, das Potenzial groß: 95,9 Prozent aller Homepages haben erkennbare WCAG-Fehler, durchschnittlich 56 pro Seite (WebAIM Million).
- Seit dem 28. Juni 2025 gilt das BFSG: Verstöße können mit bis zu 100.000 Euro Bußgeld geahndet werden (Bundesregierung).
- Abkürzungen funktionieren nicht: Kein Overlay- oder Plugin-Tool macht eine Website wirklich konform , echte Barrierefreiheit entsteht im Code und in der Struktur (Overlay Fact Sheet).
Irgendwann steht jede Website vor dem Relaunch. Das Design wirkt veraltet, die Technik bremst, und Inhalte sind über Jahre gewachsen. Genau dieser Moment ist die beste Gelegenheit, Ihre Website nicht nur schöner, sondern auch barrierefrei zu machen , für alle Nutzer und im Einklang mit dem Gesetz.
Der Bedarf ist riesig: 95,9 Prozent aller untersuchten Startseiten weltweit haben automatisiert erkennbare WCAG-Fehler, im Schnitt 56 pro Seite (WebAIM Million). Ein Relaunch räumt mit diesen Altlasten auf, statt sie ins nächste Jahrzehnt mitzuschleppen. Wie Sie den Umbau Schritt für Schritt planen , von der Bestandsaufnahme bis zum Go-Live ohne Ranking-Verluste , zeigt dieser Leitfaden.
Was ist ein barrierefreier Relaunch , und für wen ist er Pflicht?
Ein barrierefreier Relaunch ist der grundlegende Umbau einer bestehenden Website mit dem Ziel, sie für alle Menschen bedienbar zu machen , auch für Nutzer mit Seh-, Hör-, Motorik- oder kognitiven Einschränkungen. Maßstab ist der internationale Standard WCAG, in Deutschland meist auf der Stufe AA. Allein hier leben rund 7,9 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung (Destatis).
Wann greift die gesetzliche Pflicht?
Für viele Unternehmen ist Barrierefreiheit seit Kurzem Pflicht. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 und betrifft vor allem Produkte und Dienstleistungen für Verbraucher , etwa Online-Shops, Buchungssysteme oder Banking (Bundesregierung). Reine B2B-Angebote und Kleinstunternehmen können ausgenommen sein. Ob die Pflicht für Sie gilt, klären Sie am besten vorab, denn davon hängt der Umfang des Relaunchs ab. Eine kompakte Einordnung bietet unser Beitrag dazu, ob das BFSG für Sie gilt.
Warum sich der Schritt auch ohne Pflicht lohnt
Selbst wenn keine Pflicht besteht, lohnt sich der Umbau. Weltweit lebt etwa jeder sechste Mensch mit einer relevanten Behinderung, das sind rund 1,3 Milliarden Menschen (WHO). Jede Barriere, die Sie abbauen, öffnet Ihre Website für mehr potenzielle Kunden. Was Barrierefreiheit im Web genau umfasst, erklärt unser Leitfaden dazu, was Barrierefreiheit im Web bedeutet.
Warum der Relaunch der günstigste Moment für Barrierefreiheit ist
Weil Sie ohnehin alles anfassen. Barrierefreiheit nachträglich in eine fertige Seite einzubauen ist teuer und mühsam , beim Relaunch dagegen entsteht sie quasi nebenbei, wenn man sie von Beginn an einplant. Diese Logik kennt jeder, der schon einmal Software gebaut hat: Ein Fehler, der erst nach dem Launch auffällt, kostet ein Vielfaches dessen, was seine Behebung in der Konzeptphase gekostet hätte (Black Duck).
Einmal zahlen statt zweimal
Übertragen auf Barrierefreiheit heißt das: Wer Kontraste, Tastaturbedienung und sauberen Code erst nach dem Go-Live nachrüstet, zahlt doppelt , einmal für den Relaunch und einmal für die Korrektur. Wer sie ins Konzept aufnimmt, zahlt nur einmal. Genau deshalb ist der Relaunch der wirtschaftlich beste Zeitpunkt.
Der Geschäftsnutzen kommt obendrauf
Dazu kommt ein direkter Geschäftsnutzen. Eine Analyse von 10.000 Websites zeigt, dass barrierefreie Seiten im Schnitt 23 Prozent mehr organischen Traffic erzielen und für 27 Prozent mehr Keywords ranken (Semrush). Sauberer, semantischer Code hilft Screenreadern und Suchmaschinen gleichermaßen. Wie dieser Zusammenhang funktioniert, vertieft unser Beitrag dazu, wie Barrierefreiheit auch Ihr Ranking verbessert. Ein Relaunch ist also kein reiner Kostenposten, sondern eine Investition in die Zukunft.
In sieben Schritten zum barrierefreien Relaunch
Ein barrierefreier Relaunch folgt einer klaren Reihenfolge: erst verstehen, was ist, dann festlegen, was sein soll, und schließlich sauber umsetzen und testen. Diese sieben Schritte führen verlässlich ans Ziel. Sie bauen aufeinander auf , wer einen überspringt, holt ihn später teurer nach.
- Schritt 1 , Bestandsaufnahme der aktuellen Seite: Bevor Sie umbauen, müssen Sie wissen, wo die Probleme liegen. Ein Barrierefreiheits-Audit deckt auf, welche Seiten gegen WCAG-Kriterien verstoßen. Das ist wichtiger, als viele denken: Im weltweiten Durchschnitt enthält jede Startseite 56 erkennbare Fehler (WebAIM Million).
- Schritt 2 , Ziele und Umfang festlegen: Definieren Sie das Zielniveau , in der Regel WCAG 2.1 oder 2.2 auf Stufe AA , und klären Sie, ob das BFSG Sie verpflichtet. Was die einzelnen Kriterien bedeuten, lesen Sie in unserem Überblick zu den WCAG-Anforderungen im Detail.
- Schritt 3 , Inhalte und Struktur aufräumen: Ein Relaunch ist die Gelegenheit, Texte zu kürzen, verständlich zu schreiben und eine logische Gliederung mit klaren Überschriften aufzubauen. Jedes Bild bekommt einen aussagekräftigen Alternativtext, jeder Link einen sprechenden Linktext.
- Schritt 4 , Design barrierefrei konzipieren: Schon im Entwurf entscheidet sich vieles: ausreichende Farbkontraste, gut sichtbare Fokus-Markierungen für die Tastaturbedienung, große Klickflächen und eine Schrift, die sich vergrößern lässt, ohne dass das Layout zerbricht.
- Schritt 5 , Technisch sauber umsetzen: Das Fundament ist semantisches HTML: Bereiche wie Navigation, Hauptinhalt und Fußzeile werden eindeutig ausgezeichnet, statt alles in bedeutungslose Container zu packen. Formulare bekommen klare Beschriftungen, interaktive Elemente bleiben mit der Tastatur bedienbar.
- Schritt 6 , Gründlich testen: Automatische Prüftools finden viele Fehler, aber längst nicht alle. Ergänzen Sie sie um manuelle Tests: die Seite nur mit der Tastatur bedienen, mit einem Screenreader durchgehen und , idealerweise , echte Menschen mit Behinderung einbeziehen.
- Schritt 7 , Migration und Go-Live ohne SEO-Verluste: Beim Umzug gehen ohne sauberes Konzept schnell Rankings verloren , Schätzungen reichen bis zu 10 bis 20 Prozent des organischen Traffics (Morningscore). Richten Sie deshalb Weiterleitungen für alle alten Adressen ein, übertragen Sie die Metadaten und veröffentlichen Sie eine Barrierefreiheitserklärung , erst dann ist der SEO-Relaunch vollständig abgeschlossen.
Welche Fehler sollten Sie beim barrierefreien Relaunch vermeiden?
Die teuersten Fehler entstehen, wenn Barrierefreiheit als nachträgliche Reparatur statt als Teil des Konzepts behandelt wird. Drei Stolperfallen begegnen uns immer wieder , und alle drei lassen sich leicht vermeiden.
- Die Abkürzung per Overlay: Sogenannte Overlay-Tools versprechen, eine Website mit einer einzigen Code-Zeile barrierefrei zu machen. Das funktioniert nicht: Kein Overlay-Produkt am Markt kann eine Website vollständig konform machen oder das rechtliche Risiko beseitigen (Overlay Fact Sheet).
- Barrierefreiheit als letzter Punkt: Wer sie erst kurz vor dem Go-Live mitnimmt, baut sie nachträglich in fertige Templates ein , fehleranfällig und teuer. Sie gehört in Schritt eins, nicht in Schritt sieben.
- Nach dem Launch aufhören: Barrierefreiheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Jeder neue Blogbeitrag und jedes neue Bild kann neue Barrieren schaffen. Planen Sie feste Routinen ein, damit die Seite barrierefrei bleibt.
Wie lange dauert ein barrierefreier Relaunch und was kostet er?
Das hängt vom Umfang ab, doch eine grobe Orientierung hilft. Eine überschaubare Unternehmenswebsite ist je nach Seitenzahl und Komplexität in einigen Wochen bis wenigen Monaten umsetzbar. Der zusätzliche Aufwand für Barrierefreiheit fällt am geringsten aus, wenn sie von Beginn an Teil des Projekts ist , vor allem wenn man früh mit einer erfahrenen Website Relaunch Agentur zusammenarbeitet.
Der Kostenhebel liegt in der Reihenfolge
Wird Barrierefreiheit von vornherein mitgeplant, entsteht sie als Teil der normalen Entwicklung. Wird sie nachgerüstet, kommen Korrekturschleifen hinzu, die das Budget belasten , dieselbe Logik wie beim Beheben von Fehlern nach dem Launch (Black Duck). Eine detaillierte Aufschlüsselung, was der Umbau kostet, finden Sie in unserem Kosten-Leitfaden.
Unser Eindruck aus der Praxis
Bei vielen vorgefertigten Theme-Systemen entsteht überladener Code, der Barrierefreiheit und spätere Pflege erschwert. Wir setzen in unseren Projekten auf Next.js und ein Headless CMS , wir arbeiten bevorzugt mit Sanity , und kontrollieren das HTML jeder Seite selbst. Dadurch legen wir Struktur, Überschriften und Bildbeschreibungen von Grund auf korrekt an, statt sie nachträglich aus einem fertigen Template herauszuoperieren.
Praxisbeispiel: Website Relaunch mit barrierefreiem Headless CMS
Ein mittelständisches B2B-Unternehmen beauftragte Evelan als Website Relaunch Agentur für einen vollständigen Neustart. Die Ausgangsbasis: eine WordPress-Installation mit vorgefertigtem Theme, zahlreichen WCAG-Fehlern und einem Redaktionssystem, das Barrierefreiheit nicht durchsetzen konnte.
Für den SEO-Relaunch sicherten wir alle bestehenden Rankings mit lückenlosen 301-Weiterleitungen ab. Das neue Headless CMS (Sanity) ersetzt das alte System , mit Pflichtfeldern für Alternativtexte, fester Überschriftenhierarchie und einer Inhaltsverwaltung, die das Team selbst bedient.
Die barrierefreie Website bestand den automatisierten WCAG-Audit auf den Kernseiten ohne Beanstandung. Das Redaktionsteam pflegt Inhalte heute eigenständig , kein Entwickler-Einsatz für Standardaufgaben.
Fazit: Den Relaunch als Chance nutzen
Ein Relaunch ist Aufwand , aber genau deshalb die beste Gelegenheit für Barrierefreiheit. Wenn Sie ohnehin Design, Inhalte und Technik überarbeiten, kostet es am wenigsten, sie von Anfang an richtig zu machen. Die sieben Schritte , Audit, Ziele, Inhalte, Design, Technik, Test und Go-Live , geben Ihnen dafür einen verlässlichen Rahmen.
Der Lohn ist doppelt: eine Website, die alle Menschen nutzen können, und ein Auftritt, der rechtlich sicher ist und in Suchmaschinen besser sichtbar wird. Wer den Relaunch jetzt richtig plant, muss ihn nicht in wenigen Jahren erneut anfassen. Einen vollständigen Überblick bietet unser Leitfaden dazu, was Barrierefreiheit im Web bedeutet.
Häufig gestellte Fragen
Ein barrierefreier Relaunch ist der grundlegende Umbau einer bestehenden Website mit dem Ziel, sie für alle Menschen bedienbar zu machen. Maßstab ist der WCAG-Standard, meist auf Stufe AA. Da bei einem Relaunch ohnehin alles überarbeitet wird, lässt sich Barrierefreiheit besonders wirtschaftlich umsetzen, statt sie später aufwändig nachzurüsten.
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Quellen
- WebAIM: The WebAIM Million , Annual Accessibility Analysis (2026)
- Bundesregierung: Barrierefreiheitsstärkungsgesetz , das ändert sich (2025)
- Gesetze im Internet: BFSG § 37 , Bußgeldvorschriften (2025)
- Statistisches Bundesamt: 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland (2024)
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Disability and Health (2023)
- Semrush: Why Accessibility Matters More Than Ever for SEO Performance (2025)
- Overlay Fact Sheet: Accessibility Overlays and Widgets (2024)
- Black Duck: The Cost to Fix Bugs During Each SDLC Phase (2023)
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