Barrierefreie Website erstellen lassen: Kosten, Ablauf und was Agenturen nicht sagen

Andreas Straub • 23. Juni 2026

10 Min. Lesezeit

Was kostet eine barrierefreie Website? Die Erstellung liegt meist bei 2.500 bis 30.000 Euro. Kosten, Ablauf und versteckte Posten ehrlich erklärt.
Zwei Personen am Konferenztisch mit Laptop in modernem Büro mit Glaswand

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Eine neue, von Anfang an barrierefreie Website für ein mittelständisches Unternehmen kostet meist zwischen 2.500 und 30.000 Euro, je nach Umfang und Funktionen (Branchenangaben). Die Spanne ist groß, weil der Preis vor allem davon abhängt, wie viele Seiten, Funktionen und Sprachen die Website braucht. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Posten wirklich anfallen, wie ein Projekt abläuft und welche Punkte viele Agenturen im Angebot lieber verschweigen.

Wenn Sie eine barrierefreie Website erstellen lassen wollen, stehen Sie vor einem Markt mit sehr unterschiedlichen Angeboten. Manche Anbieter verkaufen einen schnellen Software-Aufsatz für ein paar hundert Euro. Andere kalkulieren fünfstellig. Beides kann seinen Sinn haben, beides kann auch teurer Unfug sein. Den Unterschied erkennen Sie nur, wenn Sie verstehen, woraus sich der Preis zusammensetzt. Darum geht es hier: um eine ehrliche Kostenlogik statt einer Wunschzahl.

Was kostet eine barrierefreie Website?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht, aber belastbare Spannen. Wer eine barrierefreie Website erstellen lässt, zahlt als mittelständisches Unternehmen meist zwischen 2.500 und 30.000 Euro, je nach Umfang und Funktionen. Eine amtliche Preisstatistik gibt es nicht. Die folgenden Spannen stammen aus veröffentlichten Preisangaben spezialisierter Agenturen für barrierefreie Websites mit einem Profil wie Evelan, also individueller Entwicklung statt fertiger Vorlagen.

Leistung / Typische Kosten / Quelle

Leistung
Einfache Unternehmenswebsite (barrierefrei)
Typische Kosten
2.500–5.000 €
Quelle
barrierefreie-agenturen.de
Leistung
KMU-Website (individuell, barrierefrei)
Typische Kosten
5.000–15.000 €
Quelle
barrierefreie-agenturen.de
Leistung
Komplexe Webanwendung
Typische Kosten
15.000–50.000 €
Quelle
barrierefreie-agenturen.de
Leistung
Online-Shop (barrierefrei)
Typische Kosten
8.000–30.000 €
Quelle
barrierefreie-agenturen.de
Leistung
Barrierefreiheit als Aufpreis (Neubau)
Typische Kosten
+0–15 %
Quelle
barrierefreie-agenturen.de

Wofür Sie bei der Erstellung bezahlen

Sie zahlen nicht für ein abstraktes Siegel, sondern für Konzeption und Entwicklungszeit. Jede Seite, jede Funktion und jede Interaktion ist konkrete Arbeit. Deshalb schwankt der Preis so stark: Eine schlanke Imagewebsite ist schneller gebaut als ein mehrsprachiges Portal mit Buchungsstrecke. Eine seriöse Einschätzung gibt es erst, wenn der Umfang feststeht. Ein klar umrissenes Projekt mit fester Seitenzahl und definierten Funktionen lässt sich deutlich genauer kalkulieren als ein offenes Vorhaben ohne Konzept, bei dem am Ende beide Seiten überrascht werden. Mehr zum großen Bild liefert unser vollständiger Leitfaden zur Barrierefreiheit.

Was Barrierefreiheit zusätzlich kostet

Die Barrierefreiheit selbst ist kein großer Einzelposten. Bei einem modernen, individuell entwickelten Stack ist WCAG 2.1 AA, der internationale Standard des W3C, von Anfang an mitgebaut. Der Aufpreis gegenüber einer nicht barrierefreien Umsetzung liegt nach Branchenangaben bei null bis etwa 15 Prozent, oft ist er bereits enthalten. Das ist der eigentliche Kostenvorteil des Neubaus: Wer von Grund auf richtig baut, zahlt für Barrierefreiheit kaum extra. Wer also seine Website barrierefrei machen lassen will, fährt mit einem Neubau auf modernem Stack meist günstiger als mit jeder nachträglichen Lösung.

Festpreis oder Abrechnung nach Aufwand?

Beide Modelle sind üblich, und beide haben ihre Berechtigung. Ein Festpreis gibt Ihnen Planungssicherheit. Er setzt aber ein klares Konzept und einen definierten Umfang voraus, denn niemand kann seriös einen Pauschalpreis nennen, ohne zu wissen, was gebaut werden soll. Wer Ihnen einen Festpreis ohne Konzeptgespräch anbietet, kalkuliert entweder einen großzügigen Puffer ein oder spart an wichtiger Stelle.

Die Abrechnung nach Aufwand passt, wenn der Umfang noch unklar ist oder die Website laufend wächst. Hier zahlen Sie für tatsächlich geleistete Stunden. Das ist fair, verlangt aber Vertrauen und eine saubere Dokumentation der Arbeit. In der Praxis bewährt sich oft eine Kombination: ein Festpreis für Konzept und Umsetzung, danach ein vereinbartes Stundenkontingent für laufende Pflege.

Ein dritter, oft übersehener Punkt ist die interne Zeit. Inhalte überarbeiten, Alternativtexte schreiben, Entscheidungen treffen: Diese Arbeit fällt bei Ihnen im Haus an und gehört ehrlicherweise in jede Kostenrechnung. Eine Agentur kann viel abnehmen, aber nicht alles.

Wovon hängen die Kosten ab?

Bei einer neuen Website bestimmen vor allem Umfang und Komplexität den Preis, nicht der Zustand einer alten Seite. Je mehr Funktionen und je anspruchsvoller die Interaktion, desto höher der Aufwand. Dass sich der Neubau oft lohnt, zeigt schon die Marktlage: 94,8 Prozent aller untersuchten Homepages weisen messbare WCAG-Fehler auf, im Schnitt 51 Fehler pro Startseite. Auf einer solchen Basis weiterzubauen ist selten günstiger als ein sauberer Neuanfang.

Vier Faktoren bestimmen am Ende den Preis.

Mann mit Brille und Frau in Denim-Hemd arbeiten gemeinsam am Laptop

Erstens der Umfang. Eine fünfseitige Imagewebsite ist schneller gebaut als ein Shop mit Filtern, Warenkorb und Checkout, der hunderte Zustände hat. Mehr Seiten und mehr Funktionen bedeuten unweigerlich mehr Aufwand und damit höhere Kosten. Auch interaktive Elemente wie Slider, Akkordeons oder Pop-ups zählen voll mit, weil jedes eigene Anforderungen an Tastatur- und Screenreader-Bedienung stellt.

Zweitens die Komplexität der Inhalte und Funktionen. Statische Textseiten sind schnell barrierefrei. Dynamische Bereiche, Formulare, Konfiguratoren oder Buchungsstrecken brauchen mehr Sorgfalt. Hier entstehen die häufigsten Barrieren überhaupt: Laut WebAIM sind zu geringe Kontraste (79,1 Prozent der Seiten), fehlende Alternativtexte (55,5 Prozent) und fehlende Formularbeschriftungen (48,2 Prozent) die Top-Probleme. Wer diese von Anfang an richtig baut, vermeidet teure Korrekturschleifen.

Drittens die technische Grundlage. Barrierefreies Webdesign steht und fällt mit der Architektur. Auf einem modernen, komponentenbasierten System wird eine einmal barrierefrei gebaute Schaltfläche überall korrekt wiederverwendet. Wir setzen bei Evelan auf einen Stack aus Next.js und einem Headless-CMS, weil saubere, semantische Struktur dort die Regel ist und nicht die Ausnahme. Das senkt den Aufwand für Barrierefreiheit spürbar, weil die Grundlage von vornherein stimmt.

Viertens die Pflege. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Jede neue Seite und jede Funktion kann neue Barrieren einführen. Wer das von Beginn an einplant, zahlt später nicht doppelt.

Ein praktischer Tipp zur Einordnung: Lassen Sie sich vor dem Angebot zeigen, welche Funktionen Sie wirklich brauchen. Jede Funktion, die Sie nicht bauen, müssen Sie auch nicht barrierefrei machen und nicht pflegen. Ein klarer Funktionsumfang ist der einfachste Kostenhebel überhaupt.

Wie läuft ein barrierefreies Website-Projekt ab?

Ein gutes Projekt folgt einem klaren Ablauf, der die Kosten kalkulierbar macht. Wer ohne klares Konzept direkt loslegt, riskiert teure Nacharbeit. In Projekten mit B2B-Kunden sehe ich immer wieder, dass die Reihenfolge über das Budget entscheidet: erst das Konzept, dann von Anfang an barrierefrei bauen, dann mit echten Hilfsmitteln testen.

So läuft ein barrierefreies Website-Projekt ab

  • Konzept und Anforderungen: Ziele und Inhalte klären, WCAG 2.1 AA als verbindlichen Zielstandard festlegen
  • Barrierefreies Design: Kontraste, Schriftgrößen, Fokus-Zustände und klare Bedienung von Anfang an einplanen
  • Entwicklung mit semantischem HTML: saubere Struktur, volle Tastaturbedienung und korrekte Alternativtexte von Beginn an
  • Test mit Screenreader und Tastatur statt reinem Tool-Check, denn automatische Tools finden nur einen Teil der Fehler
  • Barrierefreiheitserklärung, Schulung und Pflegeprozess, damit die Seite dauerhaft konform bleibt

Am Anfang steht das Konzept. Hier werden Ziele, Inhalte und der verbindliche Zielstandard WCAG 2.1 AA festgelegt. Wenn bereits eine alte Website existiert, fließen deren Inhalte und Erkenntnisse hier ein, ohne ihre technischen Altlasten zu übernehmen. Sie bauen also nicht auf einem wackeligen Fundament weiter, sondern starten sauber.

In der Umsetzung entsteht die neue Seite direkt barrierefrei. Semantisches HTML, volle Tastaturbedienung, ausreichende Kontraste und korrekte Beschriftungen sind Teil der normalen Entwicklung, kein Sonderposten am Ende. Vor dem Go-live wird mit echten Hilfsmitteln getestet. Automatische Werkzeuge wie Lighthouse oder axe finden je nach Quelle nur einen Teil der Probleme, grob ein Drittel bis gut die Hälfte. Den Rest deckt nur ein manueller Test mit Tastaturbedienung und Screenreader auf.

Den Abschluss bilden die Barrierefreiheitserklärung und die Übergabe inklusive eines Pflegeprozesses. Zwischen Konzept und Go-live liegen je nach Umfang einige Wochen. Der größte Kostenvorteil entsteht, wenn Barrierefreiheit von Anfang an Teil des Baus ist und nicht als nachträgliche Reparatur drangehängt wird. Wie ein kompletter Umbau abläuft, lesen Sie in unserem Beitrag zum Website-Relaunch als Investition.

Was Agenturen Ihnen oft nicht sagen

Vier Dinge tauchen in vielen Angeboten nicht auf, kosten Sie aber später Geld oder Vertrauen. Wer eine Agentur für barrierefreie Websites auswählt, sollte sie kennen und im Erstgespräch die richtigen Fragen stellen.

Mann in brauner Jacke mit Laptop im Büro, andere Personen verschwommen im Hintergrund

Folgekosten für Pflege und Re-Audit

Viele Angebote enden am Go-live. Doch eine Website verändert sich. Neue Inhalte, neue Kampagnenseiten, ein neues Buchungsformular: Jede Änderung kann neue Barrieren einführen. Seriöse Anbieter kalkulieren ein wiederkehrendes Re-Audit und einen Pflegeprozess mit ein. Wer nur den Erstaufbau anbietet, verkauft Ihnen einen Zustand, der nicht lange hält. Fragen Sie deshalb im Erstgespräch konkret: Was passiert nach dem Launch, und was kostet es? Eine ehrliche Antwort darauf sagt mehr über einen Anbieter als jeder Hochglanz-Pitch. Wie Sie eine passende Betreuung finden, zeigt unser Leitfaden zur Auswahl einer Agentur für Website-Pflege.

Overlay-Tools lösen das Problem nicht

Auf dem Markt gibt es Widgets, die per JavaScript versprechen, eine Website "mit einer Zeile Code" barrierefrei zu machen. Diese Overlays beheben echte Barrieren im Code nicht zuverlässig. Sie können sogar mit Screenreadern kollidieren. Ein Overlay ersetzt weder ein Audit noch sauberen Code, und es schützt nicht vor den Pflichten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes. Wer Ihnen ein Tool als Komplettlösung verkauft, vereinfacht zu stark.

Die "60 Prozent gespart"-Zahl ist Marketing

Oft liest man, Barrierefreiheit von Anfang an spare 60 Prozent gegenüber der Nachrüstung. Diese konkrete Zahl lässt sich nicht sauber belegen. Belastbar ist die qualitative Aussage von Aktion Mensch: Eine Funktion barrierefrei zu bauen ist "grundsätzlich nicht aufwändiger" als mit Barrieren. Das deckt sich mit dem W3C, wonach es am effizientesten ist, Barrierefreiheit von Projektbeginn an mitzudenken. Die ehrlichste Konsequenz daraus: Wer vor einer veralteten Website steht, fährt mit einer neuen, von Grund auf barrierefrei gebauten Seite meist besser als mit dem Flicken einzelner Barrieren am alten System.

Ein Audit ist keine Garantie für Konformität

Ein bestandenes Audit beschreibt einen Zeitpunkt, keinen Dauerzustand. Sobald Ihre Redaktion neue Inhalte einpflegt, kann sie unbemerkt neue Barrieren erzeugen, etwa ein Bild ohne Alternativtext oder eine Tabelle ohne Struktur. Deshalb ist die Schulung Ihres Teams oft die günstigste Investition überhaupt. Wer weiß, worauf es ankommt, vermeidet die meisten neuen Fehler schon beim Schreiben. Diesen Posten finden Sie in kaum einem Angebot, dabei entscheidet er über die Folgekosten.

Aus dem Evelan-Alltag

Für einen Hamburger Dienstleister aus der Weiterbildungsbranche haben wir eine Plattform zur Buchung und Verwaltung von Seminaren entwickelt. Das Buchungssystem ist öffentlich zugänglich und fällt damit unter das BFSG. Statt nachträglich ein Audit über eine fertige Seite zu legen, haben wir die Barrierefreiheit von der ersten Komponente an mitgeplant.

Tastaturbedienung, korrekte Formularlabels und ausreichende Kontraste waren Teil der normalen Entwicklung, kein Sonderposten am Ende. Dadurch fiel kein separates Nachrüstbudget an. Der Kunde hat heute eine WCAG-konforme Buchungsstrecke, ohne dass je ein zweites Projekt für die Reparatur nötig wurde.

Lohnt sich Barrierefreiheit wirtschaftlich?

Ja, und zwar aus zwei Richtungen.

Das rechtliche Risiko

Erstens ist sie für viele Unternehmen seit dem 28. Juni 2025 Pflicht: Verstöße gegen das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz können nach § 37 BFSG je nach Verstoß Bußgelder bis zu 100.000 Euro nach sich ziehen. Ob die Pflicht für Sie gilt, klären Sie mit unserem BFSG-Quick-Check.

Reichweite und Wettbewerbsvorteil

Zweitens erweitern Sie Ihre Reichweite. In Deutschland leben 7,9 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung, das sind 9,3 Prozent der Bevölkerung. Hinzu kommen Menschen mit vorübergehenden oder altersbedingten Einschränkungen. Wer diese Gruppe ausschließt, verschenkt Umsatz.

Der Markt zeigt, wie groß der Vorsprung sein kann. Bei einem Test von Aktion Mensch, Google und der Stiftung Pfennigparade bestanden vier von fünf deutschen Online-Shops elementare Zugänglichkeitstests nicht. Wer in dieser Mehrheit liegt, verschenkt nicht nur Reichweite, sondern auch einen einfachen Wettbewerbsvorteil.

Eine barrierefreie Seite ist nicht nur rechtssicher, sie ist auch besser bedienbar, lädt sauberer und wird von Suchmaschinen leichter erfasst. Denn die gleichen Prinzipien, die Screenreadern helfen, helfen auch Google: klare Struktur, sinnvolle Überschriften, beschreibende Texte. Der Business Case for Digital Accessibility des W3C zeigt das an konkreten Beispielen: Beim US-Sender NPR stieg der Suchtraffic nach der Einführung barrierefreier Transkripte um knapp sieben Prozent. Diese Effekte zahlen sich unabhängig von der Pflicht aus, und sie verlängern die Lebensdauer Ihrer Investition.

Rechnen Sie deshalb nicht nur den Preis, sondern auch die Kosten des Nichtstuns. Ein Bußgeldrisiko, verlorene Kunden, ein später unvermeidbarer Notfall-Relaunch unter Zeitdruck: Diese Posten tauchen in keinem Angebot auf, sind aber real. Eine neu gebaute, von Anfang an barrierefreie Website ist fast immer die ruhigere und am Ende günstigere Wahl gegenüber der hektischen Reparatur, wenn eine Beschwerde oder eine Abmahnung ins Haus flattert. Eine Orientierung zu Preisen jenseits der Barrierefreiheit gibt unser Überblick zu Webdesign-Kosten 2026.

Häufig gestellte Fragen

Die Erstellung einer neuen, individuell entwickelten barrierefreien Website liegt für eine typische Unternehmenswebsite meist zwischen 5.000 und 15.000 Euro, ein Online-Shop kann 8.000 bis 30.000 Euro kosten. Die genaue Summe hängt vor allem von Umfang und Funktionen ab und sollte erst nach einem klaren Konzept genannt werden.

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Quellen